Ein Gang durch die Stadt

Nach einem Vormitag Archivarbeit mit Auspacken und Sortieren von unzähligen Archivboxen aus zehn Umzugskisten endlich Feiermittag und Wochenende. Ab geht’s zum Bus. Der Himmel ist heute hellgrau, also heller grau als sonst. Fast meint man die Sonne zu sehen. An der Schule und an der Bushaltestelle nur wenige, aber fröhliche Kinder. Es ist der letzte Schultag vor den Winterferien. Dann die Busfahrt mit Blicken in eine weite, verschneite Landschaft mit erstaunlicher Fernsicht. Alles klar und strukturiert, so wie auch mein inneres Empfinden heute. Während am Wochenanfang alles so zäh dahin lief und ich mich sehr selbst an die Hand nehmen musste, um alle to do`s anzugehen, flutscht es seit gestern nur so. 🙂

In meiner Heimatstadt angekommen, stieg ich in der Innenstadt aus, einem Impuls folgend nicht an der üblichen Haltestelle, sondern an der eigentlich ungeliebten, eine Station vorher. Ungeliebt ist sie deshalb, weil sie an einer riesigen Kreuzung liegt, an der die Ampel gefühlt immer auf Rot steht. Aber diesmal war gerade Grün und freudestrahlend schwebte ich über die breiteste Verkehrsader der Stadt. Seinen Impulsen und seiner Intuition sollte man eben folgen. 🙂

Die Einkaufsstraße (der Boulevard, wo früher mal der Bulle war, so der Spruch einer Stadtführerin 😀 ) war doch etwas belebt. Der Fahrradladen hell erleuchtet, mit vielen Fahrrädern vor der Tür. Oh Wunder. Dort ist aber auch gleichzeitig eine Reparaturwerkstatt, und die dürfen öffnen. Auf dem Markt keine Freitags-Markt-Buden zu sehen, dafür aber ein strahlendes ❤ Hochzeitspaar ❤ mit einer großen Hochzeitsgesellschaft drumherum. Oh Wunder! Sie mit rauschendem weißen Kleid, er im feierlich dunklem Anzug, der Hochzeitsstrauß mit roten Rosen, die voller Hoffnung den schneebedeckten Marktplatz regelrecht erleuchteten. Es war eine Szene wie aus einem Schwarz-Weiß-Film, auf dem nur die Rosen leuchtend rot hervor schienen. Einfach toll!  ❤ Ein schönes Bild! ❤ Ich schlich mich an der Hochzeitsgesellschaft vorbei und betrat das altehrwürdige historische Rathaus, um in das Stadtgeschichtliche Museum zu gehen. Hier waren einige Dinge für mich als Fördervereins-Vorsitzende zu erledigen. Das übliche Bild wie überall: Museum geschlossen, Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber dennoch war jemand da und werkelte an einem neuen Stolperstein-Projekt. Entwürfe für eine Wanderausstellung wurden stolz gezeigt. Am 11. Mai wird unter anderem ein Stolperstein, den ich mit angestoßen habe, verlegt, zum Gedenken an zwei Menschen, die im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ verhaftet wurden und im Arbeitslager bzw. in einer Haftanstalt für psychisch Kranke zu Tode kamen. Ich war zufällig während meiner Archiv-Recherchen darauf gestoßen, aber es sollte wohl so sein. Voller Überraschung darüber, dass dieses Projekt schoh so weit gediehen ist, ging ich durch die ruhige Stadt nach Hause, immer den eiskalten Ostwind im Rücken. Ich ging am großen See, am kleinen Meer, entlang. Der See war zugefroren und schneebedeckt. Das hatten wir lange nicht. Der letzte, richtige Eiswinter ist über zehn Jahre her. Früher waren wir in jedem Winter auf Schlittschuhen auf den Seen unterwegs. Die Schlittschuhe waren unser Wintersportgerät Nr. 1. Was in der Natur unserer Gegend liegt: viele Seen und wenige Hügel, von Bergen ganz zu schweigen. Skifahren gab es nur im Winterurlaub im Vogtland, in Thüringen oder im Erzgebirge. Das waren schöne Urlaube! 🙂

Noch wird aber vor dem Betreten des Eises gewarnt. Mit Recht, denn unter der dicken Schneedecke sind Spalten und Löcher nicht sichtbar. Zudem braucht es noch einige Tage, ehe das Eis wirklich überall dick ist. Dann werden die Kinder mit Schneeschiebern kommen und sich ihre Spiel- und Lauffelder freischieben. Zuerst werden sie den See mit dem riesengroßen flachen Strand testen, bevor sie dann mit ihren Schlittschuhen, Gleitern, Schlitten und Schnee-Surfern auf das kleine Meer kommen. Das wird lustig! 🙂

Auf dem weiteren Weg nach Hause übte ich zwischendurch immer mal, ohne Brille zu gehen. D. h. ich ließ die Brille auf die untere Nase rutschen und lugte drüber. Mal mit beiden Augen, mal nur mit dem rechten oder nur mit dem linken Auge. Da beide Augen unterschiedlich stark gucken, ist das ganz interessant. Das habe ich lange nicht mehr probiert. Es ist eine Anregung von Elke. Vielleicht habt ihr mal Lust, Elkes Erfahrungen auf euch wirken zu lassen. https://lebenalsmensch.wordpress.com/2021/02/05/schritt-fur-schritt-ubung-ohne-brille-laufen-teil-3-%f0%9f%98%8a%f0%9f%91%93/ Heute ging der kurze Zwischendurch-gang ohne Brille besonders gut, da auf dem Bürgersteig rechts und links Schneeränder waren, die Orientierung gaben, so dass ich weniger „rumeierte“ als sonst beim Hin- und Herswitchen zwischen den Augen.

Dann mit kaltem Ost-Rückenwind schnell nach Hause, kurz Tasche tauschen und weiter zum Supermarkt, bevor hier der ganz große Freitags-Trubel ausbricht. Die obligatorische Einkaufs-Maske (illegalerweie dünner als vorgeschrieben) spüre ich schon nicht mehr und das Anti-Beschlags-Brillentuch, ein Geschenk meines Neffens, wirkt wahre Wunder. Überhaupt kein Beschlagen heute, weder im Bus noch im Supermarkt. Im Supermarkt wie immer vor dem Wochenende Gang durch die Regale ohne Plan. Was spricht mich heute an? Was möchte am Wochenende gekocht werden? Wieder der leckere Rosenkohl oder doch mal eine Hühnersuppe? Wenn ich mal mit einem Plan in einen Wochenend-Einkauf gehe, dann sehe ich garantiert etwas anderes Leckeres und mein Plan wird wieder umgestoßen. Also dann lieber gleich mit ohne Plan …

Mit Einkauf und Wochenend-Blümchen laufe ich zurück nach Hause. Immer noch sind wenig Leute unterwegs. Aus einem Garten dringt Vogelgezwitscher. Dort zwitschern fast immer Vögel hinter der großen Hecke. Jetzt bläst der Ostwind kalt von vorn, aber mir macht er nichts aus. Ich gehe, denke nach, lasse die Ereignisse der Arbeitswoche Revue passieren und schmunzle wieder mal über ein Erlebnis mit einer übereifrigen Kollegin, die auf ihrem Weg wohl noch einige Lernaufgaben vor sich hat. Mal sehen, wo ihr Weg sie hinführt, ich werde es weiter beobachten – aus sicherer Entfernung.

Aber nun kann das Wochenende beginnen. Die Arbeit ist getan, die Vorräte sind aufgefüllt. Kommt der angekündigte Schneesturm? Kommt er nicht? Egal, ich nehme es so, wie es ist. Allen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende!

Existenzielle Frage: Wer lockt denn nun down?

Gestern war nun wieder DER TAG. Die politische Macht kam zusammen, um ein kleines, gemeines Virus bekämpfen zu wollen. Ein Lockdown schien wieder mal das einzig wahre Mittel zu sein. Wie würde es diesmal ausgehen? Um 16 Uhr hörte ich erstmals die Nachrichten im Radio. „Gastronomie, Hotels, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen im November geschlossen bleiben.“ Peng. Da trifft es wieder mal diejenigen, die mit ausgefeilten Hygienekonzepten sehr vorsichtig agieren und den Menschen schöne Erlebnisse in dieser tristen Zeit bereiten. Gastronomie – na super. Den schon für den 88jährigen Geburtstag meines Onkels für nur fünf Personen bestellten Tisch im Lieblingsrestaurant können wir also canceln. Da feiern wir lieber zu Hause und stecken uns dort gegenseitig an. Ohne Feier geht nicht, mein sehr einsamer Onkel freut sich schon so sehr darauf. „Kultur- und Freizeiteinrichtungen?“ Oh Schreck, das ist ja auch meine Bibliothek? Sofort klickte ich mich in den Corona-Newsticker von NTV, der übrigens sehr informativ ist. „Theater, Konzerthäuser und andere Kultur- und Freizeiteinrichtungen“ Hm. Das ist nun wieder sehr vage. Im Laufe des Abends sickerte etwas mehr durch. Da war auch von „Kinos, Freizeit- und Vergnügungsparks“ die Rede. Hm. Was ist eigentlich mit Musikschulen? Meine Schwester und mein Neffe arbeiten in einer solchen und bringen mit viel Herzblut und momentan maskiert mit viel Abstand dort Kindern das Geige- und Hornspielen bei. Das sind doch auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen?

Nachdem mich der NTV-Newsticker nicht weiterbrachte, versuchte ich es im Regierungsportal M-V. Dort waren die neuen Regeln grob zusammengefasst. Aber auch hier Fehlanzeige. Kein Wort von Bibliotheken oder Musikschulen. Auch in der Tagesschau um 20.15 Uhr nicht. So langsam wurde ich unruhig. Was sollte ich denn am nächsten Tag den Lesern sagen, wenn sie fragen? Hm. Komische Sache, wenn die Politik mit Macht entscheidet und dabei die Hälfte aller Einrichtungen vergisst. Also wieder mal mit Macht und ohne Verstand. Vielleicht sind Bibliotheken auch so nebensächlich, dass sie einfach vergessen werden können? Aber immerhin durften sie doch nach dem letzten Lockdown zusammen mit dem Einzelhandel als erste kulturelle Einrichtung wieder öffnen. Damals fielen recht salbungsvolle Worte über die Bedeutung der Bibliotheken, es wurde sogar ein eigener Fördertopf für sie geschaffen, der allerdings so unterkalkuliert war, dass er nach wenigen Tagen als „überzeichnet“ galt und man von weiteren Anträgen absehen sollte.

Ich schaute mir dann noch die Corona-Sondersendung an. Da nahm dann erstmals einer, ich glaube, der Söder, das Wort „Museen“ in den Mund. Die seien im November auch geschlossen. Das fiel so in einem Nebensatz. Aha. Gut zu wissen. Die Ausstellung oben im Bibliothekshaus muss also schließen. Aber da wären im November eh kaum Gäste gekommen, da war eigentlich schon im Oktober tote Hose. Und die Kollegen vom städtischen Burgmuseum hätten im November sowieso ihre Winter-Schließzeit begonnen, sie hätten nur am Wochenende das Museum geöffnet. Also eigentlich wären sie, wie viele andere Museen auch, sowieso im alljährlichen Winter-Lockdown, da hätte die Politik nicht machtvoll nachhelfen müssen.

Aber was ist nun mit den Bibliotheken? Bleiben die offen oder nicht? Tja, da musste ich leider dumm schlafen gehen. Ich musste auch dumm aufstehen und dumm wieder zur Arbeit in die Bibliothek fahren. Und dumm die Bibliothek öffnen und überhaupt nicht auskunftsfähig sein gegenüber den Lesern. Danke, Frau Merkel, für dieses Scheiß-Gefühl!!!

In der Bibliothek war viel los an diesem Tag. Aber keine Panik-Besuche in letzter Minute. Nein, es war der normale Betrieb mit normalen Lesern, deren Medien laut Leihfrist abgegeben werden mussten. Alle schienen selbstverständlich davon auszugehen, dass die Bibliothek auch künftig geöffnet haben würde. Nur zwei oder drei Leser fragten besorgt nach einem Lockdown. So langsam wurde auch ich gelassen. Es kommt, wie es kommt, und ich werde es so nehmen, wie es kommt. Ich habe sowieso noch viel Resturlaub, d. h. noch fast den ganzen Jahresurlaub zu kriegen, also irgendwann muss ich in diesem Jahr sowieso schließen. Zwischenzeitlich eine Rundmail der Fachstelle: „Wir wissen auch nichts, aber wenn wir etwas wissen, melden wir uns sofort.“ Na prima. Wenn nicht mal die, die alle Bibliotheken im Bundesland beraten sollen, etwas wissen, dann kann ich ja auch nur weiterhin dumm bleiben. Ich machte auch dumm Feierabend, fuhr dumm nach Hause, aß erstmal in Ruhe dumm Abendbrot und schaute dann noch ins lokale News-Netzwerk von Antje. Und da, oh Wunder, stand die verbindliche Info, dass die Kultusminister nachgebessert hätten und sich nun in einer Konferenzschaltung darauf geeinigt hätten, dass auch Museen im November geschlossen werden. Ach, das stand noch garnicht fest? Das hat der Söder nur so dahingesagt? Na prima. „Übrigens bleiben Bibliotheken, Archive und Musikschulen weiterhin geöffnet.“ Jubel!!! Sicherheitshalber schaute ich noch einmal in den NTV-Newsticker – da stand diese Nachricht genauso drin. Antje vom lokalen Netzwerk hat sie wahrscheinlich von dort übernommen. Hach, jetzt, nach einem ganz dummen Tag kann ich endlich schlau ins Bett gehen! 🙂 Und die Bibliotheksleser müssen auch im Lockdown nicht auf ihre Medien verzichten.

Und an die Politiker dieses Landes geht mein dringender Appell: Leute, entscheidet nicht nur mit Macht, sondern auch mit Verstand!

Kleiner Nachtrag am 31. 10. 2020 um 9.05 Uhr, in der zeitlichen Reihenfolge also nach meinem Kommentar von gestern:

In den Nachrichten hörte ich heute früh, dass in einer Kabinettssitzung gestern die Bestimmungen für den Lockdown in M-V konkretisiert wurden. Diesmal war man sehr moderat. Touristen dürfen noch bis Donnerstag im Land bleiben.

Ich stürzte mich daraufhin wieder ins Internet. Keine Pressemeldung und keine neue Corona-Verordnung auf dem Regierungsportal M-V. Auf der Homepage des NDR wurde ich dann etwas schlauer: Museen müssen schließen, Theater, Konzerthäuser, Restaurants, Kinos auch. Im Gegensatz zur Bundes-Richtlinie ist Sport für Kinder bis 18 erlaubt. Das finde ich richtig prima, denn Sport hält fit und unterstützt das Immunsystem. Zoos und Tierparks dürfen ebenfalls öffnen. Das wird meine Bekannte aus dem Bärenwald freuen, mit der ich gestern telefonierte und die gestern ebenso ratlos war wie ich.

Nur ein Wort tauchte in dieser Pressemeldung vom NDR nicht auf: Bibliotheken. Es bleibt spannend. Mittlerweile sehe ich es als Sport, mich zu informieren und entspannt die Informations-Abläufe zu verfolgen. Dass ein Bundesland dem NDR um 7 Uhr eine Pressemeldung bekannt gibt, aber die Pressemeldung um 9 Uhr noch nicht mal auf seiner eigenen Seite veröffentlicht hat, finde ich kurios. Oder verbreitet der NDR Fakenews?

Die Auflösung: Bibliotheken bleiben offen

Am 31. 10. um 17.46 Uhr mailte die für Bibliotheken zuständige Referentin des Landes M-V ein kleines Infoblatt mit den wichtigsten Bestimmungen aus dem Bereich Kultur. Ich sah die Mail aber erst heute. Die wichtigste Neuigkeit: Bibliotheken und Archive bleiben offen!!! Nun ist es amtlich. Nach den Lockdown-Bestimmungen der Bund-Länder-Runde hat es tatsächlich volle drei Tage bis zu dieser klaren Aussage gedauert!!! Musikschulen bleiben auch für Kinder bis 18 Jahren offen. Nur ihre beiden erwachsenen Schüler darf meine Schwester demnach nicht unterrichten. Na dann wünsche ich uns allen einen schönen und virenfreien November!

„Freiwillige Aufgabe“ – Arbeiten unter einem Damoklesschwert

Als mich vor einigen Jahren ein Journalist  fragte, was für mich das Unwort des Jahres wäre, antwortete ich ohne Zögern: „Freiwillige Aufgabe“ und erklärte es gleich mal zum Unwort aller Zeiten. Bibliotheken gehören in Deutschland zu den „freiwilligen Aufgaben“ der Kommunen, wie auch Museen, Theater, Tierparks und Sporteinrichtungen wie z. B. Schwimmhallen. Das heißt, die Kommune kann eine Bibliothek unterhalten, muss es aber nicht. In Zeiten verschuldeter Haushalte stehen kommunale Bibliotheken meist ganz oben auf der Streichliste.

Jetzt hat es eine Bibliothek in unmittelbarer Nachbarschaft meines Arbeitsortes kalt erwischt. Das Haushaltsdefizit der betreffenden Kleinstadt beträgt 800 000 €, der Kommune drohte die Zwangsverwaltung, also ließ sich der frisch gewählte (und unerfahrene) CDU-Bürgermeister auf einen Deal zwecks Haushaltskonsolidierung ein: Schließung der Stadtbibliothek, des Tierparks und der Touristinfo des kleinen Ortes zum Jahresende. Ich kenne die Kollegin, die das betrifft, und da ich schon einmal in einer ähnlichen Situation stand, kann ich erahnen, wie es ihr geht. Der Bibliotheksbestand soll nach der Schließung teils in einer Schule landen und teils der Bibliothek der nächsten Großstadt angeboten werden. Da die Kollegen dieser Großstadt-Bibliothek jedoch seit Jahren verstärkt auf eBooks setzen, werden die sich vermutlich bedanken… 🙂 Einmal wöchentlich will die Stadt großzügig einen Bibliotheksbus finanzieren, der nicht mobile Bibliotheksnutzer einmal wöchentlich in diese Großstadt-Bibliothek fährt. Die Nachricht über die drohenden Bibliotheksschließung hörte ich gleich morgens beim Duschen. Nach einem schon etwas schrägen Vorgänger-Tag war meine Laune da gleich im Keller.

Der spontane Besuch meines Bürgermeisters in der Bibliothek konnte mich da wenig trösten. Obwohl, es war schon ein netter Versuch. 🙂 Eigentlich wollte er sich ja seine Urlaubslektüre suchen und seine Jahreskarte verlängern. (ja, liebe Kollegen, er hat eine! 🙂 Dabei kam natürlich unweigerlich seine Frage: „Haben Sie schon gehört? …“  Es folgten eine Erklärung der Hintergründe (siehe oben) und im väterlichen Ton die Bemerkung: „Keine Sorge, bei uns passiert sowas nicht!“ Ich glaube ihm sogar, dass er das nicht will. Lieber würde er die Stadt mit Windrädern umgeben, um Geld in die kommunalen Kassen zu wehen zwecks Tilgung der drückenden Dauerschuldenlast.

Aber mal ehrlich, wie sicher ist so ein Bürgermeister-Versprechen? Wie ehrlich sind solche Politiker wirklich? Und obwohl er es diesmal ehrlich meint, kann immer noch eine Fraktion der Stadtvertreter in Sachen Sparvorschläge sehr kreativ werden. Oder es kommt mal ein neuer Bürgermeister mit neuen Ideen. Oder es kommt eine neue Landesverordnung mit Auflagen für verschuldete Kommunen. Oder… oder… oder  Ein landesweiter Schuldenerlass für Kommunen, die sich wirklich bemühen und noch Schulden aus DDR-Zeiten mit  sich schleppen, gehört wahrscheinlich nicht zu den möglichen Varianten.

Meine Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken leben seit Jahrzehnten mit diesem Damoklesschwert, was über ihnen schwebt. Kultur scheint langsam zum Luxusgut zu werden. Theatern geht es ähnlich. In meinem Bundesland ist „Theaterfusion“ das aktuelle Unwort. Ein Stadtmuseum in unserer Region wird gerade dichtgemacht. An unseren Museumsverein meines Heimatortes wurde gerade zum wiederholten Mal die Frage gerichtet, ob wir nicht vielleicht doch das städtische Museum in unsere Trägerschaft übernehmen könnten. Kreisliche Museen werden gerade sinnigerweise in einer „Wirtschaftsförderungs-GmbH“ ausgegliedert und „optimiert“. Es ist einfach nur zum Wegschauen,  Weghören, Weglesen.