Drei Tage

„Drei tolle Tage“ wären es ja, wenn nicht der Lockdown wäre. Aber interessant waren die drei letzten Arbeitstage in der Bibliothek in ihrer so unterschiedlichen Tagesenergie schon.

Der Montag war wettermäßig ein Wintermärchen mit traumhaftem Sonnenschein und immer noch gefühlt klirrender Kälte. Wie schon an den Arbeitstagen zuvor staunte ich über die Spuren auf dem Hof, die Aufschluss über nächtlichen tierischen Besuch gaben. Mehrere Vögel, darunter ein sehr großer, vielleicht eine Möwe oder eine Ente, waren bis zum oberen Hof gekommen, sogar eine Katze war die Treppen zum oberen Hof hochgestiefelt, ebenso ein Tier, dessen Spuren ich nicht deuten konnte. Ich schoss einige Fotos, damit die nächste Kita-Lesung zum Thema „Tiere im Winter“ noch anschaulicher wird. Ich hatte ja vor einigen Jahren mal eine Geschichte rund um Tierspuren im Schnee geschrieben, die Kita fordert sich das Vorlesen dieser Geschichte in jedem Winter wieder ein und der Kindergärtner fragt mich jedes Mal, ob ich denn nun endlich die Geschichte als Buch herausbringe. Vielleicht irgendwann mal … 🙂 Trotz des Winterwetters fanden einige Leser den Weg in die Bibliothek, darunter auch Ferien-Kids und eine Lehrerin, die ebenfalls Winterferien genoss. Immer wieder spüre ich die Dankbarkeit der Leser dafür, dass die Bibliothek auch während des Lockdowns für sie da ist – und das tut gut.

Während es im Bibliotheksbetrieb flutschte, lief bei meiner „Nebenbei-Finanzverwaltung“ so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte. Was daran lag, dass ich einfach unkonzentriert war. Irgendwie nur halb da. Wo die andere Hälfte von mir gerade war, weiß ich nicht. Ich wurschtelte mich so durch, und bis ich meine eigenen Fehler erkannte und wusste, wie ich es anders machen muss mit dem Hin- und Herbuchen von einer Gutschrift, geteilt durch drei „Produkte“, war es fast Feierabend. Ich bin ja auch keine Finanzbuchhalterin, sondern studierte Bibliothekarin.

Zwischen Leserbetrieb und Finanz-Gewurschtel kam auch noch ein Anruf, der mich umhaute. Ich wurde aufgefordert, meine Statistik zu fälschen. Alle deutschen Bibliotheken geben ihre Jahreswerte in eine gemeinsame Plattform, die Deutsche Bibliotheksstatistik. Hier werden auch die Entleihungszahlen inklusive Verlängerungen angegeben. Aus politischen Gründen, nämlich um den Mangel darzustellen, wurde ich nun angewiesen, alle automatischen Verlängerungen von Medien während des Lockdownbs aus der Statistik rauszunehmen. Herauskommen sollte dabei in jedem Falle eine niedrigere Zahl der Entleihungen als im Vorjahr 2019. Mir sträubte sich angesichts dieser hanebüchenen Anweisung alles. Wenn seit 1999 bundesweit einheitlich alle Entleihungen mit den Verlängerungen der Leihfristen inklusive angegeben werden, dann macht es keinen Sinn, die Zahlen während des Lockdowns ohne Verlängerungen anzugeben, denn die Bücher waren ja bei den Lesern und wurden dort bestimmt auch während des Lockdowns genutzt. Abgesehen davon habe ich mit einigen Lesern, die auf den Dörfern wohnen und selten rankommen, sowieso die Vereinbarung, dass ich automatisch die Medien verlängere, wenn die Leihfrist abgelaufen ist. Ächz. Zu dem Frust durch das Finanzgewurschtel kam jetzt noch der Frust durch die gefälschte Statistik hinzu. Aber der Witz kommt ja noch: Als ich alle Verlängerungen aus dem ersten Lockdown abzog (im zweiten Lockdown 2020 hate ich ja sowieso schon Weihnachtsurlaub und verlängerte nicht), blieb immer noch ein leichtes Plus an Entleihungen – eben deshalb, weil die Leser nach dem Lockdown die Bibliothek so stürmten wie sonst noch nie zuvor. Da geht irgendwie die politische Milchmädchenrechnung des Bibliotheksvereins oder der Bibliotheksfachstellen oder von wem auch immer irgendwie überhaupt nicht auf. Ätsch!!! 😀

Von all dem Wirrwarr war ich dann so verwirrt, dass ich mittags beim Abtauen des Kühlschranks und dem damit verbundenen Abwasch versehentlich einen noch laufenden Wasserhahn in die falsche Richtung drehte, dabei kurz abgelenkt war und ihn laufen ließ – und mich wunderte, als plötzlich die halbe Personalküche unter Wasser stand. Was war das denn für ein Zeichen? „Wasch dir den Frust ab!“ oder „Diese Gegebenheiten sollten bereinigt werden!“ oder sowas in der Art? Abends im Bus auf dem Nachhauseweg konnte ich dann doch über mich selbst lachen, und über diesen ganzen verwirrenden Tag. 🙂

Am Dienstag sollte eigentlich Eisregen kommen und die ganze weiße Pracht sollte so nach und nach wegtauen. Aber statt dessen kämpfte ich mich auf dem morgendlichen Weg zum Bus durch Massen von Neuschnee und erlebte noch einmal eine Busfahrt durch zauberhaft verschneite Landschaften. Herrlich!!! Es war so richtig klebriger Schneemann-Schnee, und so sah ich an meinem Arbeitsort auch einige dieser lustigen Schneegesellen stehen, einzeln und in Schneefamilie. 🙂 Vormittags half mir Doreen in der Bibliothek, und ich nutzte die Gelegenheit, mal kurz was im Archiv zu suchen. Als ich wieder in die Bibliothek kam, fand ich Doreen strahlend vor, vor sich eine Tüte selbst gemachter gebrannter Mandeln – ein Geschenk von ziemlich neuen Lesern, die sich über unseren Service so freuten. Ich war ganz geplättet vor Freude, während Doreen ganz freudig mit der Leserfamilie über die Herstellung von gebrannten Mandeln fachsimpelte. Doreen hatte selbst einige Versuche schon gemacht, gemeinsam mit der Tochter ihres Freundes, aber sie hatten das optimale Rezept noch nicht gefunden. Die hier uns geschenkten Mandeln waren mit Rohrzucker, Butter und ohne Wasser in der Pfanne geschwenkt worden. Sie schmeckten absolut köstlich, das fanden wir beide. „Eigentlich ungesund!“, sagte ich und meinte den Zucker. „Nein, das meiste ist gesund!“, sagte Doreen und meinte die Mandeln. Ein schönes, kleines Überraschungsgeschenk zu erhalten ist aber auf jeden Fall Balsam für die Seele und somit sehr gesund. 🙂 Insofern war dieser Tag Gesundheit pur, denn nachmittags erhielt ich ein zweites Überraschungsgeschenk. Eine Leserin schenkte mir einen kleinen Karton „eigentlich ungesunder“ Pralinen, zufälligerweise auch noch eine meiner Lieblingssorten, was sie nicht wissen konnte. „Ich wollte mich einfach mal dafür bedanken, dass Sie immer, auch jetzt, für uns da sind und dass Sie so eine tolle Auswahl haben!“ 🙂 Also da war ich echt sowas von baff!!! Diese Leserin kenne ich schon seit Jahren. Sie liest keine Allerwelts-Bücher und ich bemühe mich immer sehr, ihr etwas Besonderes zu empfehlen. Da ihr Geschmack (und wohl auch ihre Ansichten) meinem ähneln, fällt mir die Empfehlung bei ihr immer leicht. Aber diesmal habe ich dann wohl mit „Der Salzpfad“ von Raynor Winn und „Wut ist ein Geschenk“ von Arun Gandhi (Erinnerungen an seinen Großvater Mahatma Gandhi) besonders ihren Lesegeschmack getroffen. Was wieder mal zeigt, dass im Lockdown gute Bücher so sehr wichtig sind. Sie sind eben Seelennahrung!!!

Trotz der Neuschnee-Massen war an diesem Tag doch mehr Betrieb als sonst. Wobei die Kinder schon auch mit ihren Schlitten durch die Stadt zogen oder Schneemänner bauten. Eine Omi, die eigentlich mit Enkelin kommen wollte, entschuldigte sich: „Heute bin ich allein, denn das Kind wollte noch einmal auf das Eis!“ – „Na klar, das ist der letzte Wintertag, noch dazu ein geschenkter, weil es eigentlich heute schon tauen sollte. Das muss man noch nutzen!“ Was gibt es schöneres, als auf dem Eis des kleinen Stadtsees Schlittschuh zu laufen! Gemeinsam mit der Omi suchte ichschöne Bücher für die Enkelin raus, damit sie am Abend des vielleicht letzten Wintertages gemütlich beim Vorlesen mit der Omi kuscheln kann.  🙂

Über Nacht hatte es tatsächlich geregnet, also fuhr ich heute durch eine grün-braun-weiß-gescheckte Landschaft zur Arbeit. Einerseits freute ich mich darüber, wieder die dünnere Winterjacke anziehen und Mütze und Handschuhe weglassen zu können. Denn dieses Gewurschtel mit Mütze, Maske und Brille beim Einsteigen in den Bus ist jedes Mal ein Graus, ganz ehrlich! Andererseits fing ich schon an, dem schönen, klaren, sonnigen, kurzen Winter hinterherzutrauern.  Vom Bus zur Bibliothek watete ich teilweise durch weißbraune, matschige Pampe. Diesmal hatte ich einen Arbeitstag im Archiv. Dort gab es eigentlich so viel zu tun, aber ich fasste hier mal was an, räumte dort mal etwas um und hatte nicht die Motivation für das ganz große, eigentlich geplante Umräumen. Ich war, wie zwei Tage zuvor, wieder nur gefühlt „halb anwesend“. Zwischendurch las ich noch eine Mail vom Bürgermeister. Dieser freute sich darüber, dass die 7-Tage-Inzidienz in unserem Amtsbereich nunmehr den zweiten Tag in Folge bei 0 liegt. „Dies ist ein Anlass, Ihnen dies mitzuteilen!“  Toller Ausdruck. Dass in meinem Arbeitsort einer der größten deutschen Übersetzer aufwuchs, hat wohl nicht gerade bis in die Gegenwart abgefärbt. Der Bürgermeister gab aber zu verstehen, dass alle Einschränkungen aufrechterhalten werden und bitte keiner der „Mitarbeitenden“ – wörtlich – „in Aktionismus verfallen“ sollte. 🙂 Was oder wen immer er auch damit meint. Mittags war noch eine terminlich vereinbarte Telefonkonferenz mit dem Geldgeber eines Veranstaltungsprojektes für die Bibliothek. Der Mann am anderen Ende der Leitung wirkte beinahe schläfrig und ebenso nur halb anwesend wie ich. Ach, das ist doch beruhigend, dass es nicht nur mir so geht! 🙂 Nach diesem Telefonat entdeckte ich noch eine Mail eines Stadtvertreters, der mir ein großes Zukunfts-Entwicklungs-Konzept einer großen benachbarten Bibliothek mit 70.000 Medien und 17 Mitarbeitern zur Kenntnis gab. Einfach mal so als Anregung und nette Geste. Nach Feierabend habe ich darin dann mehr als quergelesen, teils geschmunzelt (über eine geplante „neue Zweigstelle“, die es zu DDR-Zeiten schon mal gab) und teils sehnsüchtig geseufzt (über den Anspruch, die Bibliothek als Treffpunkt und Kommunikationsort, gerade für Kinder, so ansprechend und gemütlich wie möglich einzurichten). Ja, ich gebe es zu, ich bin noch immer nicht hinweg über die mir aufgezwungenen schwarzen Bibliotheksregale und nicht vorhandene, gemütliche „Lümmelsessel“ im Kinderbuchraum! Meine ganz persönliche Bibliotheksentwicklungskonzeption sieht es vor, dies langfristig auf jeden Fall zu ändern!!! Und da ich bisher alles durchsetzen konnte, was ich für die Bibliothek erreichen wollte, werde ich auch dies noch eines Tages in die Tat umsetzen. Irgendwann bin ich ja hoffentlich auch nicht mehr nur „halb anwesend“, sondern „ganz da“! 🙂   

Unverwüstlich

Erster Arbeitstag in der Bibliothek nach fast einem Monat Urlaub. Ich werde in einem fast leeren Bus durch die verschneite Landschaft gefahren. Schon einige Häuser vor der Bibliothek hält mich ein Mitarbeiter der Wärmeversorgung an, der In den Keller des Bibliotheksgebäudes möchte, um dort die Jahreswerte abzulesen. Ich lasse ihn rein, schließe ihm den Keller auf und wir schnacken ein bisschen, während ich schon mal links und rechts schaue. Soweit alles in Ordnung, aber vor der Archivtür stapeln sich Unmengen von Umzugskisten mit Akten. Da haben sich zum Jahreswechsel wieder einige Kollegen der Stadtverwaltung ausgemistet. Tief Luft holen, erstmal ignorieren, erstmal den Rechner hochfahren, um sich in das Arbeitszeitkonto einzuloggen. Blumen gießen, Post grob durchschauen – ein kurzer Blick aus dem Fenster mit Staunen über eine ganz kurz sonnenbeschienene, glitzernde Winterwelt. Und dann öffne ich die Tür für die Leser.

Und da steht schon Doreen in der Tür, meine ehrenamtliche Kollegin. Freudestrahlend umarmt sie mich (ja, sie darf das!!!), schaut mich an, sucht offensichtlich nach Worten – und herausgeplauzt kommt: „Du bist – unverwüstlich!11“ Erst schaue ich ganz perplex, dann muss ich so lachen, dass ich Doreen sofort damit anstecke und wir wie die Hühner gackern. Ich hatte mich noch nicht beruhigt, als Christina, meine zweite ehrenamtliche Kollegin, mit ihrem Dackel aufkreuzte. Natürlich verriet ich Christina gleich den Grund für meine Heiterkeit und wir wieherten erneut los. 😀 Welch ein heiterer Anfang des Arbeitsjahres! Den ganzen Tag musste ich über Doreens „unverwüstlich“ schmunzeln!

Der Dackel, der ohne Leine durch die Bibliothek streunte, heftete sich an meine Fersen und folgte mir überall hin. Das war neu. Ich begrüße ihn grundsätzlich freudig, spreche immer mit ihm, streichle ihn immer, ernte auch fast immer ein Schwanzwedeln, je nach momentaner Dackellaune mal mehr oder mal weniger – aber so verhielt er sich noch nie. Selbst als ich die erste Leserin beriet und mit ihr am Krimi-Regal stand, drängte sich Dackel Kniffo ständig an meine Füße. Die Leserin war wohl nicht sehr erbaut und blieb auf Abstand. Als sie weg war, beschäftigte ich mich noch etwas mit dem Dackel, streichelte ihn, redete mit ihm und Christina meinte begeistert: „Der Dackel hat sich in dich verliebt!!!“ Na, das ging ja gut los. Unverwüstlich mit Dackelliebe! 🙂

Christina, die vor Weihnachten ängstlich zu Hause geblieben war, verkündete nun, dass ihr die Decke auf den Kopf falle und sie unbedingt helfen wolle. Und dass es in der Bibliothek bald sehr voll sein werde, denn sooo viele Leser hätten sie beim Einkaufen angesprochen mit der Frage, wann die Bibliothek wieder öffnet. Es wurde dann auch ein, sagen wir mal, normal lebhafter Tag. Viel Betrieb, aber nicht so irre viel wie am letzten Öffnungstag im alten Jahr. Alle Leser freuten sich sehr darüber, endlich wieder an neuen Lesestoff zu kommen. Aber besonders freute sich wohl meine Lese-Queen Frida. Sie hatte wirklich, aber auch wirklich alles gelesen, was sie zu Hause hatte oder was ihr gerade unter die Finger kam. Und sie konnte ihr Weihnachtsgeschenk nicht lesen, weil es sich um die letzten beiden Bände der „Glücksbäckerei“-Reihe handelte, von der ihr noch einige Vorgänger-Bände aus der Bibliothek fehlten – und die Bände dieser Reihe bauen aufeinander auf, die muss man in der richtigen Reihenfolge lesen. Hm. Unter uns gesagt, hätte die Familie das mit mir auch absprechen können. Auch die letzten beiden Bände hätte Frida aus der Bibliothek haben können, statt dessen hätte ich den Eltern für Frida gern andere Weihnachtsgeschenk-Bücher empfohlen. Aber egal, nun hatte Frida die kompletten Bücher der Reihe geholt und war sowas von selig! 🙂

Eine andere jahrelange Stammleserin, die in Quarantäne sitzen musste (was, wie mir meine sprachbegeisterte Freundin Inge übrigens beibrachte „Karantäne“ ausgesprochen wird), schickte ihre Tochter auf die Suche nach Lesefutter, wobei die Tochter sich gleich selbst als Leserin anmeldete. Einige Rentnerinnen freuten sich, bei der Ausleihe endlich mal mit jemandem erzählen zu können, ein Leserkind stellte mir ihre Puppe vor und die Mutti des Leserkindes freute sich total, als ich ihr den Kalender 2020 mit den Tierfotos meines Schwagers schenkte, denn sie hatte in jedem Monat neu die Fotos bewundert und sich auch sonst manchmal Farbkopien von Tierfotos oder Tierzeichnungen aus Büchern für ihre Tochter von mir anfertigen lassen.

Eine Kollegin aus dem Museum schaute vorbei, und was diese erzählte, fand ich nun nicht so prickelnd. Die vier Mitarbeiterinnen des Museums sowie die beiden Hausmeister des Bürgerzentrums, die für unsere Gebäude mit verantwortlich sind, wurden von der Stadt auf Kurzarbeit gesetzt. 😦 Ehrlich, da musste ich schon schlucken. Da hätte es sicher auch andere Möglichkeiten gegeben. In anderen Bundesländern wurden solche derzeit ungebrauchten Mitarbeiter per Amtshilfe an die Gesundheitsämter ausgeliehen. Die Hausmeister hätten die Bauhof-Truppe verstärken können, die mit vielen Arbeiten überlastet sind und sicher dankbar wären für jede Hilfe. Die Stadt muss ein massives Geldproblem haben, wenn sie so massiv die Personalkosten einsparen will! Da kann ich ja nur froh sein, dass es mich nicht trifft. Die aktuelle C-Landesverordnung eiert in Sachen Bibliotheksöffnung etwas rum. Aktuell ist es ein „Jein“, welches aber Öffnungen nur für den „Leihverkehr“, also Ausleihe und Rückgabe, zulässt. Meine Heimatstadt nahm dies zum Anlass, die Bibliothek gleich ganz zu schließen und die Kollegen auf Kurzarbeit zu setzen. Und eine weitere Bibliothek lässt die Leser nur nach vorheriger telefonischer Terminvergabe rein, um Kontakte zu vermeiden. Das kommt für mich aber alles nicht in die Tüte. Ich bin da. Hundertprozentig. Unverwüstlich!!!  Und hundertprozentig ich. Vielleicht war es das, was Doreen mit ihrer Begrüßung meinte. Na dann stürze ich mich mal rein in ein interessantes Arbeitsjahr voller netter Begegnungen mit Lesefreunden, Büchernarren und Lesekids! Auf geht’s!            

Lockdown-Leselust

Alle Kultureinrichtungen locken down. Alle? Nein!!! Ein kleines, gallisches Dorf namens  BIBLIOTHEK hat geöffnet! Jedenfalls im Bundesland M-V.

Da Bibliotheken im Bund-Länder-Gespräch erst schlichtweg vergessen wurden und daher auch von den Medien ignoriert wurden, gab es zunächst viele Unsicherheiten bei den Lesern. Ist nun offen oder nicht? Einige Leserfamilien erzählten, dass sie am Wochenende nach den Lockdown-Gesprächen extra zur Bibliothek gefahren waren, um zu schauen, ob ein Schließschild hängt oder nicht. Am Anfang der ersten Lockdown-Woche war der Bibliotheksbesuch sehr spärlich. Ich hatte zwar noch Berge von Verwaltungskram aufzuarbeiten, aber dennoch grübelte ich: Geht das so spärlich weiter? Sollte ich jetzt doch lieber den vor mir her geschobenen Jahresurlaub nehmen? Oder die Öffnungszeiten auf zwei Tage reduzieren?

Irgendwann ging es dann doch durch die Medien, dass Bibliotheken in M-V öffnen dürfen – und dann ging die Post ab. Die Leser kamen wie an normalen Tagen vor dem Lockdown. Sogar die Älteren, die in letzter Zeit seltener hier waren, kamen an und holten größere Bücherstapel als sonst. Denn es könnte ja doch noch ein Lockdown kommen. Sie wollten aber nicht nur die Bücher. Sie freuten sich auch sichtlich, mal mit jemandem wieder erzählen zu können, und sei es auch nur ein kurzer Plausch über das Wetter. Gerade Alleinstehende zeigten sich oft sehr mitteilsam und freuten sich, wenn ich mir die Zeit für einige nette Worte und eine gründliche Lese-Beratung nahm. Man merkt, dass die älteren Singles vereinsamen. Alles ist weggebrochen: Kaffeklatsch, Vereinstreffen, Veranstaltungen oder Restaurantbesuche mit Freunden. Da ist der kurze Bibliotheksbesuch schon echt ein Highlight. Viele Leser, vor allem aus den Dörfern, trauten den Medien nicht und riefen vorsichtshalber an: „Sind Sie wirklich da? Kann ich kommen?“ Sogar viele Stammleser, die monatelang nicht kamen, finden sich auf einmal wieder ein und verlängern ihre Jahreskarten. Und auffällig ist auch, dass ich auf den Wegen durch die kleine Stadt viel öfter angesprochen und in ein Gespräch gezogen werde als sonst. Da wird eine Beratung zu Weihnachtsgeschenken gesucht, da wird über das Wetter geschimpft, nach Öffnungszeiten gefragt, stadtgeschichtliche Fragen wollen im Vorbeilaufen geklärt werden, Zuständigkeiten innerhalb der Stadtverwaltung erfragt man ebenso wie neue geltende Pandemie-Vorschriften. Wenn es nicht Winter wäre, könnte ich da glatt einen Beratungstresen vor das Haus an die Straße stellen. Eine Nachbarin, die mich sonst nie angesprochen hatte, zeigte mir stolz ihren Kater, der sich gerade auf der Fensterbank gemütlich niedergelassen hatte. Da war sie ja bei mir genau richtig, denn Katzen mag ich sehr. Aber auch Gassi-Gänger mit Hunden suchen sichtlich das Gespräch, sogar die Hunde sind kommunikativer als sonst. 😀

Aber zurück in die Bibliothek. Manche Bibliotheksleser bevorrateten sich wirklich sehr. Ein Single-Mann um die 50 kam vor drei Wochen in die Bibliothek, suchte sich sechs Krimis aus und verkündete: „So, das reicht bis Weihnachten!“ Er hatte wohl nicht mit der Einsamkeit des Lockdowns gerechnet. Eine Woche später kam er wieder und hatte alle Bücher durch. Vorsichtshalber gab er beim nächsten, ebenso großen entliehenen Stapel keine Zeitprognose ab, stand aber gestern wieder auf der Matte und hatte auch diesen Stapel gelesen. Das ist für ihn echt rekordverdächtig. Vielleicht sollte ich, wie beim Schüler-Sommerleseclub, auch den Erwachsenen Lesezertifikate ausstellen? Da würden sicher auch, wie bei den Kindern, Rekordzahlen der gelesenen Bücher zustande kommen. Wie alle Bibliotheksleser „frisst“ auch meine lesende Familie die Bücher so weg. Besonders gefragt sind mehrbändige Familiensagas. Da muss ich schon gut steuern und lenken, damit jeder „seine“ dreibändige Saga auch komplett mitnehmen kann. Die Verlage haben diesen Trend erkannt und liefern fleißig. Da gibt es die Schokoladenvilla, die Villa am Elbstrand, die villa an der elbchaussee, die Seidenstadt-Saga, die Speicherstadt-Saga, die Kamelieninsel-Saga.  Nicht zu vergessen die Ostpreußen-Saga, die eine Leserin und Kollegin der Stadtverwaltung so verzückte, dass ich im Beutel, den sie mir beim Entleeren meines Verwaltungs-Postfaches mitgab, unter den Saga-Büchern eine Stange Marzipan-Pralinen fand, die ich genüsslich gestern mit meiner Kollegin Doreen zum Cappuccino verspeiste. Genau die richtige Droge für uns Marzipan-Fans! 🙂

Die Kinder sind ähnlich Lese-verrückt. Eine Mutti, die ihre Tochter neu als Leserin anmeldete, sagte: „Charlotte hat sich den ganzen Tag auf die Bibliothek gefreut!“ Na das geht mir doch runter wie Öl! Mein Büchertrog-Leo hat gerade richtig Magengrummeln, weil sein dicker Bücherbauch ganz leer ist. Bilderbücher für Vorschulkinder gehen weg wie warme Semmeln. Lieselotte ist komplett ausgeflogen. Die Olchis auch. Jojo, das Faultier, flog gerade wieder ein und Lotti, die Giraffe, die nicht pupsen konnte, kam gerade wieder und ging sofort wieder weg. Die Lotti war mir mal ins Auge gefallen, weil ich Giraffen liebe und weil ich fand, eine bibliothekarin sollte sich auch mal ein Kinderbuch wünschen dürfen. Seitdem ist Lotti ein Renner und ich habe zwischen den Entleihungen das Buch noch nie zu fassen bekommen, um es selbst zu lesen. Es freut mich sehr, zu beobachten, wie Eltern mit den Kindern gemeinsam die Bücher aussuchen. Das sind die Eltern, die auch den Kindern regelmäßig Geschichten vorlesen. Die tiptoi-Stifte sind auch gerade alle w wie weg, der neue tiptoi create-Stift ist schon vorbestellt. Auch Gesellschaftsspiele erleben gerade Rekordausleihen. Es ist wunderschön, dass Familien sich wieder darauf besinnen können, miteinander zu spielen. 

Meine Beratung wird wichtiger. „Ich brauche etwas über Entspannung.“ „Haben Sie nicht etwas Schönes, ein Buch, in dem die Menschen sich nicht alle kloppen?“ „Ich suche etwas, was ein bisschen mystisch, ein bisschen auch Thriller ist.“ „Wann kommt denn endlich der neue Kluftinger?“ Der ist zumindest schon bestellt. Ich sitze gerade mit rauchendem Kopf über den Bestellungen der herbstlichen Neuerscheinungen. Welche Saga hat noch einen weiteren Teil? Hat Ellen Berg wieder eine freche Frauengeschichte geschrieben? Was macht eigentlich die Online-Omi Renate Bergmann? Oh, Jonas Jonasson hat ein neues Buch veröffentlicht!!! Welche Krimi-Reihe ist fortgesetzt worden? Und lohnt es sich, die neuen Erzählungen von Elke Heidenreich auch als Buch zu bestellen? Als Hörbuch gehen sie schon ganz gut weg. Bei Medienbestellungen arbeite ich immer ganz gründlich, um Fehlkäufe zu vermeiden. Während die Excel-Bestelldatei gefüttert wird, schaue ich auf der Thalia-Seite nach den neu erschienenen Medien, gleiche die Funde mit dem Online-Katalog der Bibliothek ab und überprüfe bei bereits vorhandenen Büchern des Autors oder vorhandenen Teilen einer Reihe oder eben einer Familiensaga, wie oft die Bücher bisher entliehen wurden. Pauschale Paketangebote von Bibliothekslieferanten hatte ich vor Jahren mal getestet, aber sie waren nicht der Bringer. Eigene Auswahl von Hand frisst zwar unendlich Zeit, bringt aber letztendlich auch die Entleihungen. In den Vorjahren hatte ich reichlich Anregungen auf der Buchmesse, aber ein kleines, gemeines Virus hat ja die Buchmesse ins Virtuelle verbannt, was nur ein sehr schaler Ersatz ist. Immerhin wurde die Fortbildung zu Neuerscheinungen online gestellt und wie in jedem Jahr lohnt sich das Stöbern auf Buchblogs wie z. b. Tintenhain. Durch Tintenhain hatte ich mal Yrsa Sigurdardottír entdeckt, und die Bücher von ihr haben sofort Fans gefunden. Auch die Anregungen von NDR Kultur sind immer sher hilfreich. Dieser Radiosender serviert mir die neuesten Bücher immer schon beim Frühstück nebenbei oder abends als Podcast.

Mein persönlicher Favorit dieses Lesejahres ist immer noch „Der Gesang der Flusskrebse“. Diese Buch mit seiner anrührenden Geschichte passt irgendwie zum Lockdown. An zweiter Stelle steht die berührende Werwolf-Tragödie „Nachkriegswelpen“, in der Dirk Meißner die Geschichte seines Onkels erzählt, der 1945 15jährig als „Werwolf“ verhaftet wurde. Eigentlich war im Dezember, zum 75. Jubiläum dieser Werwolf-Verhaftungswelle, eine Lesung in der Bibliothek geplant, aber ich fürchte, dass der Kulturbetrieb auch im Dezember noch lahmgelegt wird. Immerhin habe ich schon mal ganz forsch die Förderung für eine ganze Reihe von Lesungen im Jahr 2021 beantragt und schon leicht positive Signale von der betreffenden Stiftung erhalten. Nach dem Leselust-Lockdown 2020 folgt dann vielleicht in meiner Bibliothek der Lesungs-Marathon 2021? Irgendwann hat ja auch mal der größte Lockdown down gelockt, so dass die Menschen wieder kulturelle Veranstaltungen „in echt“ genießen können.

Eine Frage muss ich allerdings noch klären: Wo finde ich ein Bilderbuch für Kinder von drei bis fünf Jahren, welches ebenso lustig ist wie die Lotti, die nicht pupsen konnte???

… und Lesen schmeckt auch gut …

Es war vielleicht vor acht Jahren. Ich nutzte eine Abkürzung auf dem Weg zum Bürgerzentrum und ging über eine Wiese. Vor mir ging ein Opa mit seiner Enkeltochter. Der Opa: ein baumlanger starker Kerl, die dunkelhaarige, quietschvergnügte Kleine war drei Jahre alt. Der Opa hielt seine Enkelin an der Hand und sang lauthals mit ihr ein Kinderlied.

Ganz andächtig schlich ich eine Weile still hinterher. Wie niedlich das ist!!! So ein baumlanger, starker Mann singt mit seiner Enkelin!!! Bevor die Beiden abbogen, sprach ich sie doch an, denn ich kannte den Opa aus meinem Arbeitskreis Stadtgeschichte. Ein auch sonst sehr aktiver Mensch, für den die Bezeichnung „Opa“ eigentlich irgendwie unpassend ist. Im Kirchenchor singt er, ist Amateurfunker und ist auch sonst immer bereit zu helfen, wo es geht. Es war nur eine kleine Begegnung, aber das Bild des singenden „Opas“ sehe ich immer vor mir, wenn ich diesen Menschen treffe.

Gestern stand die gar nicht mehr so kleine Enkelin auf der Bühne. Sie hatte in meinem Sommerleseclub 15 Bücher gelesen und war damit Spitzenreiterin dieses Jahres. Doch nicht nur im Sommer las sie viel. Eigentlich ist sie mit der ganzen Familie Stammleserin in der Bibliothek, das ganze Jahr über.

Mit ihr wurden viele kleine Leser geehrt: ein Mädchen hatte neun Bücher gelesen, zwei Jungs schafften acht Bücher, drei Mädels sechs Bücher und zahlreiche Kinder ein bis vier Bücher. Wobei es für manche Kinder ja schwer genug ist, überhaupt ein Buch zu lesen. Die beiden Schwestern, die aus Syrien stammen, lasen zwei und drei Bücher und strahlten bei der Ehrung. Die kleine Schwester der Spitzenreiterin, eigentlich noch zu jung für das Projekt, las auch ein Buch. Insgesamt waren es 25 Lesekinder, die ein Lese-Zertifikat und kleine Preise erhielten. Und die haben insgesamt 96 Bücher wirklich gelesen und mir etwas über das Buch erzählt. Das taten sie auf ganz unterschiedliche Weise: manche Kinder halb verlegen, immer mit Blick zur Mutti, manche Kinder als halbe Schauspieler, manche Kinder zeigten mir die handelnden Personen anhand der Illustrationen in dem jeweiligen Buch und manche fassten wie die Profis den Inhalt des Buches kurz zusammen. Jeder eben so gut, wie er kann.

Wichtig ist bei einem solchen Projekt, ganz viel zu loben und, wenn es geht, die Eltern mit ins Boot zu holen. Denn viele Kinder wohnen ja auf den Dörfern rundum und müssen von ihren Eltern in die Bibliothek gebracht werden. Manchmal braucht es auch sehr viel Fingerspitzengefühl, das richtige Buch für das jeweilige Kind zu finden oder das Kind zum „Zweitbuch“ zu überreden. Der Spaß am Lesen steht aber immer im Vordergrund, denn das Projekt soll ja Leselust wecken und nicht in Lesefrust ausarten.

Am Ende gab es für alle stolzen Lesezertifikat-Preisträger einen dicken Eisbecher in meinem Lieblingscafé. Denn Lesen schmeckt auch gut! Und der stolze Opa erhielt von mir eine Mail mit Fotos von der Preisverleihung.

wieder einmal sagenhaft schön

Als wir für den Veranstaltungssaal des neuen Bibliotheks-Hauses Themen für (möglichst kostenlose) Lesungen suchten, war ich schnell dabei. Natürlich wollte ich auch an meinem Arbeitsort mein neues Sagenbuch vorstellen. Am liebsten wieder mit Peter, dem Fotografen. Aber da man bei der Planung des Saales eine Möglichkeit zur Verdunklung vergessen hatte und die Sonne im Sommer bis spät abends direkt in die große Glasfront scheint, musste Peter diesmal leider zu Hause bleiben. Dafür versprach ich ihm eine eigene Foto-Präsentation an einem langen, dunklen Winterabend.

Dafür durften diesmal meine stolzen Eltern mitkommen. Von Zeit zu Zeit sind sie bei den Lesungen dabei und bewundern das Tun ihrer Tochter, was auch mir sehr gut tut.

Glücklicherweise war es an diesem Abend zwar wolkig und schwül, aber nicht so sehr heiß. Die Sonne schien zwar, aber sie prallte mir auf dem Leseplatz vor der großen Glasfassade nicht allzu sehr auf den Rücken.

Während die Pressesprecherin der Stadt wie üblich sehr kurzfristig und sehr minimal für diese Veranstaltung warb, hatte ich unter den Lesern der Bibliothek schon lange intensiv die Werbetrommel geschlagen. Mit meinem Verlag hatte ich für die Bibliothek einen Kommissionsvertrag für die Sagenbücher abgeschlossen und das Buch verkaufte sich schon seit Wochen sehr gut. Einige der Leser kauften immer wieder Exemplare zum Verschenken nach. Zur Lesung kamen fast 50 Personen, unter diesen Bibliotheks-Leser, Kollegen meines Arbeitskreises Stadtgeschichte, meine ehrenamtlichen Helferinnen, die auch hier hinter den Kulissen halfen, Kolleginnen der Stadtverwaltung und Leute vom Kulturverein der Stadt. Ich war gerührt über so viel Interesse in dieser doch sehr kleinen Stadt. Als wir auf dem Markt einparkten, parkte neben uns das Schauspieler-Ehepaar ein, welches in einem der eingemeindeten Dörfer wohnt und die neue Veranstaltungsreihe auch mit eigenen Lesungen begleitet. Kurzer Moment des Respektes: „Oh Gott, jetzt hören mir Profis zu!“ Aber durch die herzliche Begrüßung mit nettem Smalltalk war ich sofort wieder in meiner Mitte. Was soll’s. Ich werde mein Bestes geben, wie immer, egal, wer zuhört.

Die mir vorgesetzte Person (siehe letzter Blogbeitrag) war in den letzten Tagen zwar öfter zu sehen, aber dennoch mir gegenüber sehr zurückhaltend geworden. Ab und zu hörte ich in den letzten Tagen mal den Satz: „Es sind Fehler gemacht worden, aber wir müssen nach vorn schauen.“ Aha. Ich nahm das mal so als halbe Entschuldigung für alles Mögliche zur Kenntnis … 🙂 Auf der Sagenlesung fühlte sie sich verpflichtet, die Begrüßungsrede zu halten. Siehe da, sie hatte sich sehr umfassend über meine Freizeit-Forschungs-Aktivitäten und meine Publikationen informiert und fand wirklich nette Worte, auch für meine Bibliotheks-Arbeit mit Kindern.

Wie immer erzählte und plauderte ich rund um die Sagen herum, hielt mich aber diesmal strikt an meinen vorher erarbeiteten roten Faden. Geistersagen, versunkene Schätze, verzauberte Tiere, Hexensagen, Teufelssagen, Riesen und Zwerge. Bei den Geistersagen war ein kleines Schmankerl für den ebenfalls anwesenden Bürgermeister dabei: die Sage vom spukenden Bürgermeister Hans Hörning. Dieser beging zu Lebzeiten die schlimmsten Ungerechtigkeiten und regierte hart. Nach seinem Tode fand er keine Ruhe, spukte in der Stadt umher und musste von einem Geisterbanner in einen Sack verfrachtet und zu einem Ort transportiert werden, wo man einen Bannkreis um ihn herum zog und ihn anwies, dort Feuersteine zu klopfen. Dort sitzt er und klopft heute noch Feuersteine. Ich ließ nur die Sage im Raum stehen, ohne begleitende spitze Bemerkung. Die Wissenden im Publikum schmunzelten sehr. 🙂

Passend zur Lesung hing im Saal gerade eine neue Ausstellung. Svenja, die auch schon für die Ausgestaltung der Bibliothek gesorgt hatte, präsentierte ihre erste eigene größere Ausstellung mit Fantasy-Motiven: Nixen, Hexen, Teufeln, Prinzessinnen … In der kurzen Pause kamen viele Zuschauer zu mir und lobten die Lesung. Besonders stolz war ich auf die Komplimente aus meinem Arbeitskreis Stadtgeschichte, denn diese Leute halten oft eigene Vorträge und können daher meine Leistung am besten einschätzen. „Du kannst ja richtig gut frei sprechen! Ich wünschte, ich könnte das auch!!!“, meinte ein Kollege. 🙂 Wenn ich jetzt dem nachspüre, dann erkenne ich, wie gut das Training durch die unzähligen Veranstaltung mit Kita-Gruppen und Grundschulklassen war. Dort gibt es immer Kinder mit Aufmerksamkeits-Defiziten in den Gruppen. Man muss immer flexibel reagieren können, oft Details aus der jeweiligen Geschichte wiederholen oder das Verständnis der Kinder durch Fragen testen. Dabei lernt man, nicht am Buch zu kleben, sondern auch zu improvisieren und doch immer wieder den Faden zu finden. Man muss da eine halbe Schauspielerin sein. Irgendwie hat dieses Training wohl auf meine Lesungen mit Erwachsenen abgefärbt … 🙂 Meine Eltern wurden ebenfalls belagert und herumgereicht und ihnen wurden viele Komplimente über ihre Tochter gemacht. Balsam für die Seele der stolzen Mutti!!!  🙂

Am Ende der Lesung eine kurze Pause, alles blieb still. Ich fragte in die Runde: „Möchten Sie noch eine Sage hören?“ „Ja!!!“ war die eindeutige Antwort. Genau wie bei meiner letzten Lesung!!!  🙂 Gut, dann gab es noch meine Lieblings-Nixensage als Zugabe. Nach der Lesung fand die mir vorgesetzte Person neben einigen Anmerkungen, auf die sie als Germanistin wohl nicht verzichten konnte, wieder allerwärmste Worte und überreichte mir ein Blümchen. Bibliotheks-Leser kamen ebenfalls mit Blümchen und kleinen Geschenken an, das rührte mich wirklich sehr. Ratz-Fatz waren die elf vorrätigen Sagenbücher verkauft und die Leute standen an, um sie sich von mir signieren zu lassen. Der Büchervorrat reichte nicht, ich musste versprechen, bald noch mehr Bücher in die Bibliothek mitzubringen. Ich war völlig geplättet wegen dieser großen Nachfrage. Die Zuschauer, die das Buch kauften und mit Datum signieren ließen, meinten übereinstimmend unabhängig voneinander: „So haben wir eine Erinnerung an diesen schönen Abend!“  🙂

Ja wirklich, dieser Abend war sagenhaft schön und von allen guten Geistern liebevoll behütet.  🙂  Ich hätte mich zwar nach anderthalb Stunden Lesung komplett geschafft in die Ecke schmeißen können, aber es war Freude pur.

Vorlesen in der Bibliothek

Heute saß eine erste Klasse in der Vorleseecke der Bibliothek und schaute mich erwartungsvoll an. Vor ihnen ausgebreitet lagen die Bücher ihrer ersten Lesekiste. Es war der erste Bibliotheksbesuch dieser Klasse.

Ich freute mich über das Wiedersehen, denn ich kannte die Kinder gut. Sie hatten schon mit drei Jahren in der Bibliothek ein Lesestart-Set erhalten und wurden seitdem von mir begleitet. Diese Kinder hatten Glück, denn es betreute sie Conny, die beste Kindergärtnerin der Welt, die immer sehr offen für Leseförderung ist. Jedes Mal war ich erstaunt über die Ideen, die Conny hatte, um die Lesungen in der Kita vor- und nachzubereiten. Meist waren die Kinder offen und neugierig auf die Bücher, einmal klappte es jedoch nicht so recht.  Partielles Aufmerksamkeitsdefizit: Wie heißt das Pony? Bei den darauf folgenden Lesestunden flutschte es aber wieder gut und die Kinder konnten die jeweiligen Geschichten gut behalten und reflektieren. 🙂

Und nun waren sie Schulkinder und irgendwie wieder Glückskinder. Denn wer hat schon die Chance, von der besten Kindergärtnerin der Welt zur besten Grundschullehrerin der Welt zu wechseln? 🙂 Auch mit dieser Lehrerin verbindet mich eine jahrelange Zusammenarbeit. Von der ersten Klasse bis zum Sommerleseclub-Einstieg habe ich mittlerweile drei ihrer Klassen begleiten dürfen. Es freut mich, wie viele Kinder aus diesen Klassen heute begeisterte und regelmäßige Leser sind.

Nun aber zurück zum heutigen Bibliotheksbesuch. Die Kinder waren begeistert über meine kleine Buch-Vorstellungsrunde und sie kannten sich sehr gut aus, als ich die Kinderbücher und Buchreihen vorstellte. Es ergaben sich schöne Gespräche. Schließlich durften die Kinder zu meiner Vorauswahl noch weitere Bücher für die Lesekiste suchen. Auch das klappte gut. Für eine kurze Showeinlage sorgte meine ehrenamtliche Helferin Christina, die mit Dackel Kniffo in die Bibliothek reinspazierte und mitten in die Lesung platzte. Die Kinder waren verzückt über den Dackel, aber dann auch gleich wieder voll bei den Büchern. Wieder mal eine Sternstunde für mich. 🙂

Die letzte Lesung in der Bibliothek war dagegen schon anstrengender. Mein Lieblings-Kindergärtner Michael kam mit seiner Vorschulgruppe, alles sehr unruhige Kinder. Es stand eine Märchenlesung auf dem Plan. Gemeinsam mit den Kindern hatte sich der Kindergärtner für „Des Kaisers neue Kleider“ entschieden. In einer Kleinstadt, in der alle dem Bürgermeister nach dem Munde reden und keiner sich traut, ihm mal reinen Wein über seine Visionen einzuschenken, ein absolut passendes Thema, weshalb mir diese Wahl doch ein kleines Schmunzeln entlockte. 🙂 (Aber natürlich war die Bibliothekarin „loyal“ und es war nicht Thema der Lesung.)

Wie immer bereitete ich das Märchen vorher kindgerecht auf und schaute, welche Themen man so links und rechts mit streifen konnte. In diesem Falle waren es die ganzen Gewerke, die notwendig sind, um neue Kleidung entstehen zu lassen. Aber so weit, dies einzuflechten, kam ich garnicht. Die Gruppe war einfach zu unruhig. Man konnte quasi keine zwei Sätze ohne Unterbrechung lesen. Na gut, also ständiger Blickkontakt und mehr erzählen als lesen. Kurz vor der Pointe „Aber der hat ja garnichts an!“ merkte ich, dass ein Großteil der Kinder das Entscheidende an der Handlung überhaupt nicht bewusst wahrgenommen hatte. Stopp! Wenn ich jetzt kommentarlos weiterlese, begreifen nicht alle Kinder das Ende des Märchens! Also alles auf Anfang und Hangeln durch die Handlung mit einem Frage- und Antwort-Spiel. Was mochte der Kaiser am liebsten? – Sich neu einkleiden. – Wen ließ er alles zu sich auf das Schloss kommen? – Weber, Schneider, Juweliere, Schuster usw. – Was haben die ihm angeboten? – Hosen, Jacken, Hemden, Schuhe, Schmuck, Anzüge … – und so weiter. Bis zu dem Tag der Parade, an dem der Kaiser seine neuen Kleider präsentieren wollte. Von da an waren die Kinder dann wieder voll dabei und lachten herzlich über das Bild mit dem nackten Kaiser im Märchenbuch. Puh, aber ich war geschafft. Gestern kam die Gruppe noch einmal vorbei, brachte mir Zeichnungen zu diesem Märchen und sang ein Frühlingslied. Sogar beim Singen waren sie hippelig hoch drei und schauten in alle Richtungen, während sie das Lied so runtersangen. Dafür klang es aber noch ganz gut. 🙂

Anders war es bei der ersten Lesung mit der neuen Gruppe von Conny, der besten Kindergärtnerin der Welt. Diese Kinder waren zwar auch erstmal so fasziniert vom Klettern in die neue Leseecke, dass es schwierig war, die Lesung zu beginnen, aber ich schaffte es, dass sie mir zuhörten und mitgingen und später auch das Märchen nacherzählen konnten. Diesmal hatten wir uns auf „Hans und die Bohnenranke“ geeinigt. Conny war wie immer gut vorbereitet und brachte ein kleines Säckchen mit Bohnen mit. Gestern kam Conny zu mir und zeigte mir stolz Fotos: Sie hatte die Bohnen gemeinsam mit den Kindern anschließend in Töpfe gesät. Dank guter Pflege sind die Bohnen wirklich so hoch gerankt wie das Fenster hoch ist und haben auch Bohnen getragen, die später gemeinsam mit den Kindern zu einer Mahlzeit zubereitet wurden. Die Kinder wären auch am liebsten an den Bohnenranken hochgeklettert, aber dazu waren die Bohnenpflanzen dann doch nicht groß genug! 🙂

Zum Welttag des Buches am 23. April gab es wieder viele erschreckende Statistiken. Eine davon besagte, dass 20% aller deutschen Grundschulkinder nach dem Abschluss der Grundschule keine zusammenhängenden Texte lesen können. Leseförderung ist und bleibt ein großes Thema. Je früher man in der Kita und den Elrternhäusern damit anfängt, um so besser. Und wenn man die vorgelesene Geschichte noch mit einem nachhaltigen Erlebnis verknüpfen kann – na um so besser!

Die nächste Lesung ist schon in Planung: Ergänzend zu einem Bienenprojekt des örtlichen Museums stelle ich „Tafiti und der Honigfrechdachs“ vor.

Auf der Buchmesse gestöbert

Es ist wieder soweit: Leipzig liest und lädt die ganze Welt dazu ein, neue Bücher zu entdecken. Meine Lieblings-Buchhandlung hat, wie in jedem Jahr, einen Bus gechartert, damit lesehungrige Stammkunden die Leipziger Buchmesse erkunden können. Schon im letzten Jahr erhielt ich eine Mail: „Wollen Sie mit auf die Buchmesse? Es sind nur noch drei Plätze im Bus frei!“ Ups, so früh schon alles ausgebucht? „Ich brauche alle drei Plätze!“, mailte ich zurück. Zwei Leserinnen der Bibliothek wollten unbedingt mitfahren.

Gestern war es nun soweit. Eigentlich strotzte ich nicht gerade vor Tatendrang, denn der Super-Vollmond hatte mich in der Nacht nicht schlafen lassen. „Das kann ja heiter werden“, dachte ich. Aber immer, wenn ich befürchte, ein besonderer Tag könnte anstrengend oder stressig werden, dann wird es gerade ganz besonders schön. Je näher wir nach Leipzig kamen, um so mehr riss der Himmel auf, die Sonne kam, die Gespräche im Bus wurden interessanter und alles war gut. Die lieben Buchhändler hatten wieder mal einen leckeren Verpflegungs- und Informationsbeutel gepackt. Meine Mitfahrerin griff sich als erstes das „Buchjournal“ und hielt mir schließlich grinsend die Seite 1 hin. Na, das war ja mal ein schöner Tages-Auftakt! Gut sichtbar präsentiert, mit meinem Klappentext daneben, strahlte mich das Cover meines neuen Sagenbuches an. Wow!!! Die Buchhandlungen, die das „Buchjournal“ verteilen, haben in jeder Ausgabe Seiten zur Verfügung, die sie selbst gestalten können. Und mein Buchhändler, der ja gleichzeitig mein Verleger ist, hat gleich die Hälfte der ersten Seite meinem Sagenbuch gewidmet. 🙂

Nach vier Stunden Fahrt konnten wir uns ins Buchmesse-Getümmel stürzen. Mit meiner Mitfahrerin, einer eifrigen Leserin meiner Stadtbibliothek, hatte ich vereinbart, dass wir uns einfach treiben lassen. Wir ergänzten und perfekt und hatten das selbe Schritt- und Schau-Tempo und auch ähnliche Interessen. Statt haufenweise Buchkataloge zu sammeln, fotografierten wir einfach die Titel, die uns interessierten. Sie „verschlingt“ täglich Bücher und ist dabei offen für vieles, ich hatte die Interessen aller Bibliotheksleser im Blick. So suchten wir nach den ultimativen Fantasy-Romanen, den spannendsten Krimis und Thrillers, anrührenden Familiensagas, interessanten Sachbüchern und, ganz wichtig, Kinderbüchern, die den Kindern wirklich Spaß machen.

In der Kinderbuch-Halle tummelten sich wirklich die Kinder und lasen ganz interessiert. Ein schöner Anblick!!! 🙂 Comic-Romane sind bei den Kindern immer noch hoch im Kurs. Die Reihe „Collins geheimer Channel“ kannte ich noch nicht. Fantasy ist bei den Kindern auch nach wie vor gefragt. Etablierte Reihen laufen weiter. So staunte ich z. B., wie viele Bücher „Luzifer Junior High“ es inzwischen gibt. Neu waren für mich „Kiesel die Elfe“, „Julie Jewells“ und „Monsterjäger“

Die Bücher für Erstleser werden pfiffiger. So wurde die Leselöwen-Reihe etwas aufgepeppt. Wenn ein Buch für ältere Kinder, wie z. B. die „Ostwind“-Reihe oder „Petronella“ (ein Hexlein) , gut läuft, wird neuerdings flugs eine Erstlese-Variante hinterher geschoben. Aber auch sonst sind die Erstlese-Geschichten spannender geworden.

Immer noch stark verbreitet ist die allgemeine Spaltung in „Bücher für Mädchen“ mit pastellfarbenem Glitzer-Cover und „Bücher für Jungs“ in dunklen Farben mit gelb-grünlich leuchtenden Schwertern oder ähnlichem. Beispiel: „Die Monsterprüfung“. Wenn die Kinder dieser Generation mal erwachsen werden, dann erwarten sie wahrscheinlich genauso pink glitzernde Frauenromane und Männer-Romane mit leuchtenden Star Wars-Schwertern auf dem Cover. Aber egal, wichtig ist, dass die Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, dass Lesen Spaß machen kann, dass Bücher Portale sind zu magischen Welten.

Wenn man genau hinschaut, gibt es ja schon geschlechtsspezifische Aufmachungen bei Erwachsenen-Romanen. Wenn auf einem Buchcover eine Frau in einem schönen Kleid erwartungsvoll zu einer Villa schaut, dann handelt es sich garantiert um eine schöne, rührende Familiensaga für Frauen. Weil ihre letzte Trilogie mit eben diesen Covern so toll angenommen wurde, macht Ulrike Renk beispielsweise gleich weiter: „Die Seidenstadt-Saga“. Mit ähnlichem Cover werben „Die Villa in der Elbchaussee“ (Lena Johannson) oder „Die Lytton-Saga“ (Penny Vincenzi). Manchmal sind es auch einfach Cover mit romantischen Häusern ohne schöne Frauen davor, die eine Familiensaga enthalten: „Das Weingut“ (Marie Lacrosse) oder „Der Gutshof im Alten Land“ (Michaela Jary). Da die Leser solche Geschichten so lieben, habe ich in fünf Jahren in meiner Bibliothek wohl Regale voller Bücher mit schönen Frauen vor schönen Villen zu stehen. 🙂 Das peppt die schwarzen Bibliotheks-Regale ungemein auf. 🙂

Bücher, die früher mal gut gelaufen sind, wie die Zeitreise-Reihe von Diane Gabaldon, werden nun im zeitgemäßen Cover neu aufgelegt. Man muss schon sehr genau hinschauen: Ist es eine Neuerscheinung oder ist es nur „Aus alt mach neu“.

Entzückt waren wir über eine Fantasy-Ecke für Erwachsene. Meine Begleiterin stürzte sich auf die Reihe „Das Zeitalter der Fünf“ von Trudy Canavan. Ich begeisterte mich für „Die Götter von Asgard“ und „Helden von Midgard“ von Liza Grimm alias Jennifer Jäger.

Und was gibt es Neues in Sachbuch-Bereich? Natürlich Gesundheits-Bücher ohne Ende, wie „Der Selbstheilungs-Code“ und weiterhin Ernährungsbücher ohne Ende, nicht nur von den Ernährungs-Docs. Z. B. „Warum wir ohne Hunger essen müssen“. Die neuesten Sachbücher sind mehr Erfahrungsberichte als Anleitungen. So beschreibt Meike Winnemuth, die Weltreisende, wie sie das Bewirtschaften eines eigenen Gartens für sich entdeckte und wie sie sich anhand von Youtube-Videos das Gärtnern beibrachte. Hm. Ich ahne es. Es kommen schlechte Zeiten für Do it yourself-Bücher …

Das Buch als Medium wird niemals aussterben, davon bin ich überzeugt. Die E-Books machen gegenwärtig höchstens 10% der Entleihungen in einer Bibliothek aus. Kinder greifen generell lieber zum Buch als zum E-Book. Und wenn man während der Buchmesse an den Ständen, in den Gängen, während der Lesungen, auf den Höfen in der Mittagssonne, beim Cappuccino in der Snack Bar mal die Leute beobachtet, ein bunt gemischtes Publikum, alt, jung, Mann, Frau, divers, Anzugtypen, Jeanstypen, Kinder, Jugendliche, Manga-Fans – dann geht einem wieder mal das Herz auf bei so viel Leselust.

„Wie war das mit dem Hut?“

Die Zeit nach meinem schönen Buchmesse-Besuch war nicht besonders lustig. Irgendwie fühlte ich mich „daneben“. Ich dachte immer nur: „Wenn mich noch irgendjemand falsch antippt, falle ich um!“ „Daneben“ ist wohl das passendste Wort für diese Zeit. Die Stolperstein-Verlegung an meinem Arbeitsort: völlig daneben. Das Wetter: völlig daneben. Meine Gesundheit: völlig daneben. Meine Begegnungen: völlig „daneben“ und ein Gefühl, nicht verstanden zu werden Meine Stimmung: völlig daneben. Na gut, es war nicht alles schlecht, es gab auch kurze Glücksfunken und Erfolgserlebnisse. Doch das „Daneben“-Gefühl überschattete diese schnell wieder.

Aber mit den ersten beiden warmen Frühlingstagen hier im hohen Norden ist gleich alles wieder im Lot, mein sonniges Gemüt ist wieder da und über gewisse Widrigkeiten des Alltags kann ich schon wieder herzlich lachen. 🙂

Das Oster-Wochenende bescherte uns Massen von Schnee. Wenn ich nicht gerade mich mit der Familie traf, nutzte ich die Zeit, um mit Antoine Laurains „Der Hut des Präsidenten“ mal völlig abzuschalten. War das herrlich!!! Nach „Monsieur Pick“ wieder so eine leichte, gut gemachte, typisch französische Geschichte! Genau das Richtige, um mich wieder aufzumuntern und in meine Mitte zu bringen! Ich sollte unbedingt mal wieder nach Frankreich reisen und unbedingt mal in einer Brasserie eine Meeresfrüchteplatte „Royal“ probieren! 🙂 Obwohl, Austern habe ich noch nie gegessen und Mr. Bean ging es mal nach Austern garnicht gut. 🙂 . Das Buch ist eins der Bücher, die ich schon lange lesen wollte, die aber immer in der Bibliothek ausgeliehen waren und bei der Rückgabe begeistert gelobt wurden. Inzwischen hat mir meine Schwester zu Weihnachten „Die Melodie meines Lebens“ geschenkt, aber bevor ich das lese, wollte ich unbedingt „Der Hut des Präsidenten“ gelesen haben.

Heute kehrte ich mit zwei literaturinteressierten Freundinnen spontan in ein Café ein und begann von der Geschichte des schwarzen Filzhutes zu erzählen. Die eine Freundin war sofort fasziniert, während die andere, eine begeisterte Verehrerin von Goethe, uns lieber von ihrer Neu-Entdeckung berichten wollte: „Die Nacht des Erzählens“. Immer wieder wurde sie unterbrochen: „Wir waren doch noch nicht zu Ende. Erzähl doch, wie ging es weiter mit dem Hut?“ Nachdem ich beim dritten Besitzer des Hutes des Präsidenten angelangt war, lenkte die Goethe -Freundin geschickt wieder das Thema auf Goethes Märchen. Eine Weile hörte die andere Freundin zu, aber wieder bat sie mich, die Hut-Geschichte weiterzuerzählen. „Dieses Buch muss ich mir unbedingt kaufen!“, erklärte sie, die auch gern mal Hüte trägt. 🙂

„Dann brauche ich dir doch die Story nicht zu erzählen, versuchte ich das Gespräch so zu lenken, dass die andere Freundin auch wieder Freude daran hat. Eine Weile sprachen wir über Alltagsdinge und über die Autobiographie eines bei uns in der Region bekannten Mäzens, dessen Leben uns alle drei interessierte. Ihren Goethe konnte meine Freundin nicht mehr so recht anbringen, bis wir noch, begeistert über den schönen Frühlingstag, gemeinsam einige Zeilen aus dem „Osterspaziergang“ zitierten. Na gut, in den Augen meiner Goethe-Freundin war das eher Goethe für Anfänger, aber immerhin Goethe, der große Meister. 🙂 Wir gingen dann noch gemeinsam ein Stück des Wegs, bis sich die Goethe-Freundin verabschiedete. Als hätte meine Freundin nur darauf gewartet! „Und jetzt will ich aber auch noch den Rest der Hut-Geschichte hören!“ 🙂 Okay, also erzählte ich auch noch die Geschichte des vierten Besitzers und die zweite Begegnung mit Mitterand und das Ende. So andauernd und fasziniert habe ich mich außerhalb der Bibliothek lange nicht mehr über ein Buch unterhalten. Meine Freundin fühlte sich übrigens bestätigt: „Das sage ich doch immer: Kleider machen Leute!“ Naja. Ich weiß nicht, ob ein Hut Charisma „speichern“ und auf seine jeweiligen Träger übertragen kann. Aber es ist wirklich eine neckische Idee, die diesem Buch zugrunde liegt. Ich habe es sehr gern gelesen und die Geschichte heute mit großem Vergnügen erzählt! Ich bin übrigens schon gespannt, was für einen Hut meine Freundin bei unserer nächsten Begegnung tragen wird! 🙂

Buchmesse und das Kommen und Gehen der Bücher

Buchmesse und das Kommen und Gehen der Bücher

So schnell vergeht ein Jahr! Es ist wieder Buchmesse-Zeit! Meine Lieblingsbuchhandlung hatte wieder einen Bus gechartert, um den Interessierten aus unserer Region eine komfortable Reise zur Buchmesse zu ermöglichen. Diesmal waren wir zu dritt, denn neben meiner Freundin konnte ich auch eine meiner aktivsten Bibliotheks-Leserinnen begeistern, die zum allerersten Mal Buchmesse-Luft schnuppern wollte. Dieser Konstellation meiner Reisebegleitung sah ich nun mehr als gespannt entgegen. Es harmonierte super mit uns dreien und die Leserin wird auch im nächsten Jahr wieder mitkommen. 🙂 Die Bibliotheks-Leserin wollte möglichst alle bekannten Verlage zu sehen. Meine Freundin war bedauerlicherweise gesundheitlich etwas unpässlich und schlich hinter uns her. Sie hielt aber gut durch und stürzte sich eifrig auf die Neuerscheinungen zur Politik und Geschichte. Meine Leserin und ich fachsimpelten dagegen über die aktuellen Romane. Ich beobachtete interessiert, worauf sie sich „stürzt“, denn ich kenne ihren guten Geschmack In vielem liege ich mit ihr auf einer Wellenlänge. Wir suchten gemeinsam das neue, unbedingt lesenswerte Fantasy-Buch, wurden aber leider nicht fündig. „Das sind eh immer dieselben Geschichten, nur immer etwas anders verpackt“, meinte die Leserin, und da hat sie irgendwie Recht. 🙂 Wir debattierten eifrig, ob man beispielsweise „Kain und Abel“ von Jeffrey Archer unbedingt für die Bibliothek kaufen muss oder nicht. Am Tag zuvor hatte ich dieses Buch schon gemeinsam mit einer Kollegin nach einer Fortbildung in der Buchhandlung liegen sehen. Wir hatten gemeinschaftlich gestöhnt, denn wir Bibliothekarinnen kämpfen immer noch damit, den Überblick zu behalten, wer von unseren Lesern welchen Band der siebenbändigen Clifton-Saga als nächstes lesen möchte. Ich hatte ja im Blog schon des Öfteren erwähnt, dass ich prinzipiell gegen solche mehrbändigen Sagas bin, aber die Clifton-Saga-Bände in meiner Bibliothek sind größtenteils Schenkungen.

Meiner Freundin fiel übrigens auf, dass es ein Trend zu sein scheint, die Klassiker der Weltliteratur in besonders schönen, liebevoll gestalteten Taschenbuchausgaben neu zu verlegen. Wir staunten über Neuausgaben von Kästner, Werfel, Remarque und vielen anderen. Und ich hatte noch zwei Tage zuvor ratlos die schon ziemlich lädierten, aber immer noch gern ausgeliehenen DDR-Ausgaben dieser Klassiker angeschaut und mich gefragt, wie ich damit umgehen sollte.

Mit den Veranstaltungen war es in diesem Jahr schwierig. Meine Bibliotheksleserin wollte sich am liebsten ausschließlich auf die Bücher stürzen, ich wollte zu Bernhard Schlink, meiner Freundin war alles egal. Bernhard Schlink verpasste ich zweimal, bei der dritten Veranstaltung war es so voll, dass kein Rankommen war. Eine Mitfahrerin im Reisebus erzählte auf der Rückfahrt, dass es eher ein Interview als eine Lesung war, und dass die Moderatorin so grottenschlechte und primitive Fragen gstellt hätte, dass sich alle Zuhörer nur geärgert hatten. Im Vorbeigehen sahen wir noch ganz von fern auf dem blauen Sofa in der Glaushalle Sahra Wagenknecht, aber akustisch war aus dieser Distanz absolut nichts zu verstehen. Nach ihr sollte eingentlich Jojo Moyes lesen, was meine Bibliotheksleserin und mich schon sehr interessiert hätte. Da uns aber die Bücher noch mehr interessierten, verzichteten wir daraus, und eventuell zwei Stunden vorher schon einen Platz zu sichern, damit wir überhaupt die Chance hatten, die Lesung zu verfolgen. Ab und zu blieben wir im Vorbeigehen bei weniger besuchten Lesungen stehen und hörten mal einige Minuten rein.

Zwischendurch überraschte ich mich selbst. Meine beiden Begleiterinnen blieben am Stand eines kleinen Verlages stehen und lasen sich fest, so dass ich wohl oder übel hinterherging. Im letzten Jahr noch war ich an diesem Verlagsstand vorbei gegangen und hatte dabei eine leichte Wut im Bauch. Diesmal schaute ich mir die Auslagen an und stand staunend neben mir als ich mich sagen hörte: „Auf Ihren Verlag bin ich total sauer!“ 🙂 Meine beiden Begleiterinnen schauten auf, die eine wissend, die andere sehr verdutzt. Die jetzige Verlagsleiterin eilte hinzu und ich begann, mir den Frust von der Seele zu reden. Es war der Verlag, in dem eins meiner Sagenbücher erschienen war. Der Verlag hatte sich nicht an seinen eigenen Vertrag gehalten. Für mein nun entstehendes neues Sagenbuch ergab sich vor kurzem so quasi nebenbei die Zusammenarbeit mit einem neuen Verlag. Es tat gut, den Frust endlich dort loszuwerden, wo er hin gehörte. Es stellte sich heraus, dass die Schuld nicht, wie von mir vermutet, bei der neuen Verlagsleitung lag, die sich ehrlich und sehr betroffen entschuldigte. Bei der alten Verlagsleitung, mit der ich meinen Autorenvertrag abgeschlossen hatte, war wohl einiges schief gelaufen. Das hatte ich auch schon von anderen Autoren dieses Verlags gehört, deshalb glaubte ich es sofort. Wir trennten uns friedlich, jeder wünschte dem anderen Glück auf seinem Weg und wir gingen weiter zum Nachbarstand. Das war irgendwie symbolisch, denn auch im Verlag „nebenan“ hatte ich schon publiziert, und die Zusammenarbeit mit diesem Verlag läuft immer noch erfolgreich und für beide Seiten gut.

Als der Tag zu Ende ging, merkte ich erst, wie anstrengend er war. Wir sind wirklich den ganzen Tag auf den Beinen gewesen, sind von Verlag zu Verlag geschwebt, mit nur einer halbstündigen Kaffeepause dazwischen. Wir sogen mit allen Sinnen die Atmosphäre ein und beobachteten beim Kaffeetrinken die vorbei gehenden Messebesucher. Menschen jeden Alters, ganze Familien, ganze Schülergruppen, natürlich wieder verkleidete Manga-Fans. Meine Bibliotheks-Leserin war begeistert und konnte nicht genug kriegen.  Meiner Freundin ging es zunehmend besser und auch sie taute im Laufe des Tages immer mehr auf. Ich war rundum glücklich und beobachtete die vielen literaturinteressierten Messebesucher. Und ich habe so viele Anregungen für neue Bucheinkäufe, dass es kein Problem sein dürfte, den Geschmack meiner Bibliotheksleser (und meiner Familie bei den Ostergeschenken) zu treffen.

Heute katte ich Urlaub und konnte alles sacken lassen. Ich dachte auch noch einmal über das Gespräch mit meinem ehemaligen Sagenbuch-Verlag nach. Es tat sehr gut, in diesem Gespräch von Angesicht zu Angesicht reinen Tisch zu machen. Den Groll über drei Jahre mit sich rumzuschleppen, war keine gute Lösung. Wie soll ich denn unbeschwert ein neues Sagenbuch zusammenstellen, wenn das Vorgänger-Buch quasi noch nicht richtig verabschiedet werden konnte? Wenn da immer noch etwas ungeklärtes im Raum schwebte? Kein Wunder, dass ich mich schwer tat mit dem neuen Manuskript. Aber jetzt ist alles gut. Jetzt darf es wachsen, das neue Buch. Ende gut, alles gut.

Ein sagenhaft schönes Hobby

Seit fast zwanzig Jahren begleiten mich die Sagen meiner Region. Wie ich eigentlich dazu gekommen bin, weiß ich schon nicht mehr so genau. Vielleicht zog mich das Mystische an. Vielleicht auch das Rätselhafte: war es wirklich so? Gibt es wirklich Geister? Können einige Menschen „mehr sehen“ als andere und mit Geistern kommunizieren, die um Erlösung bitten?

Als es darum ging, dass wir für unsere Region unbedingt ein Sagenbuch brauchen – die Nachfrage war da – reservierte ich mir dieses Thema. Bald, nachdem ich anfing, Sagen zu sammeln und in Büchern, Bibliotheken und Archiven nach ihnen zu suchen, wurde ich arbeitslos. Aus heutiger Sicht eine glückliche Fügung. Wann hat man sonst so viel Zeit, sich ganz tief in ein so komplexes Thema „einzubuddeln“? Ich erkundete mit dem Rad die Handlungsorte der Sagen, musste sie manchmal sehr suchen, so verborgen waren sie. Kein Wunder, denn die Landschaft verändert sich ja ständig. Wo damals, vor dem Bau der Chausseen, die Leute nachts mit Fuhrwerken den Wald durchquerten und von „Aufhockern“ bedrängt wurden, ist heute, abseits der jetzigen Chaussee, nur noch ein unbedeutender Wanderweg. Wenn man Glück hat.

Es war eine sehr, sehr spannende Zeit mit unendlich vielen Erkenntnissen und Entdeckungen. Dennoch bin ich bis heute leider keinem Zwerg begegnet, noch nicht einmal am Johannistag in der Mittagstunde, denn ich gehöre nicht zu den Menschen, die „etwas sehen können“. 🙂

Es entstanden im Laufe der Jahre fünf von mir herausgegebene Sagenbücher. Im Zusammenhang mit diesen Publikationen „fügte“ sich immer alles zufällig. Alle guten (Sagen)geister waren also mit mir. Drei Bücher erschienen in der Schriftenreihe meines Vereins, eins gab ich gemeinsam mit einem anderen Verein (über eine andere Region) heraus, was sich so nebenbei im Gespräch bei einem anderen gemeinsamen Projekt ergeben hatte. Und das fünfte Sagenbuch erschien bei einem Verlag, dessen Verlegerin ich quasi zufällig beim Besuch ihrer damaligen Verlagsbuchhandlung traf. Bei meinen Büchern zu anderen Thematiken war es ähnlich. Es passierte immer alles eher zufällig, weil ich gerade in einem Forschungsthema ganz tief drinsteckte. Wenn andere Autoren stöhnten, wie sehr sie einen Verlag suchen mussten und sich dabei auch noch finanziell beteiligen mussten, konnte ich immer nur mitleidig lächeln. So etwas passierte mir nie.

Nun ist seit längerer Zeit eine Nachauflage eines der Sagenbücher fällig. Den alten Verlag gibt es nicht mehr, die Verlegerin genießt ihre Rente. Aber ich schob und schob das Projekt vor mir her. Beruflich hatte ich für meinen Arbeitsort genug andere Publikationsprojekte zu stemmen. Seit einiger Zeit schiebt sich aber dieses Thema quasi „von hinten“ immer mehr in mein Bewusstsein zurück. Immer wieder kreist das Thema Sagen um mich herum. Eine Kollegin berichtet, dass sie meine Bücher gern für Bibliotheksveranstaltungen nutzt. Ein Forscher-Kollege fragt mich um Rat, weil er für seine Region auch ein Sagenbuch publizieren möchte, mein Ex-Mann hätte gern eine Sagengestalt in unserer Stadt als Skulptur verewigt, und immer wieder erreichen mich „Sagen-Fragen“, die meinen Wohnort oder meinen Arbeitsort betreffen. Wenn es sich so häuft, ist eines klar: das Thema ist nun endlich „dran“ – komme beruflich, was da wolle. Nun, nachdem ich ein Thema, was mich beruflich in letzter Zeit sehr beschäftigte, quasi an die Experten weiterreichen konnte, geht es wirklich los.

Ich suchte mir also meine alte Sagenbuch-Datei und fing an, sie zu überarbeiten. Über das „Wie“ des Publizierens kreisten seit langem unterschwellig immer mal Ideen in meinem Kopf. Durch meine beruflich bedingten Ausschreibungsverfahren kenne ich den günstigsten Verlag in der Region und habe mit ihm schon toll zusammengearbeitet. Falls der Verleger kein Risiko eingehen möchte, könnte ich mich diesmal ja auch beteiligen. Ich könnte aber auch auf Nummer sicher gehen und es via „book on demand“ machen. Fotos wären als Illustration wieder gut, möglich mystischer als die des Vorgänger-Buches. Na gut, Fotos sind das geringste Problem, denn da gibt es ja meinen Computer-Freak Peter, der schon mal morgens um Fünf im Wald fotografiert, um das besondere Licht zu nutzen. Mein Schwager fotografiert auch immer professioneller und wird damit neben seinem eigentlichen Job öffentlich immer präsenter. Seit ich Peter vor drei Wochen von meinem Vorhaben erzählte, quillt mein „Mehlkasten“ vor Fotos bereits über. 🙂 In der letzten Woche, als beruflich bei mir gerade gewaltig die Luft brannte, weil meine „Lieblingskollegin“ einen Text für eine Info-Tafel über die jüdische Geschichte meines Arbeitsortes in Eigenregie total umformuliert und damit sinnentstellt hatte, ging ich nach Feierabend kurz durch die Stadt, einfach, weil ich an die frische Luft musste. Als ich in meiner Lieblingsbuchhandlung reinschaute, lief mir der Geschäftsführer über den Weg, der selten mal im Laden ist. Spontan und ohne nachzudenken schoss eine Frage aus mir heraus. Ich erzählte ihm, dass ich eine Nachauflage meines Sagenbuches plane, dass sich das Vorgänger-Buch bei ihm ja gut verkauft hatte und ob er das neue, demnächst entstehende Buch auch in Kommission nehmen wolle?

Das Ende vom Lied war wieder mal eine der glücklichen Fügungen, die sich immer dann ereignen, wenn ich wirklich auf dem richtigen Weg bin. Der Buchhändler hat, was ich nicht wusste, schon einige Bücher zu unserer Region in einem eigenen Verlag publiziert und wird nun auch mein Sagenbuch verlegen. „Bitte liefern Sie mir das Manuskript so schnell wie möglich!!!“ Wow! Nichts lieber als das! Ab jetzt brechen für mich wieder sagenhaft schöne Zeiten an!!! 🙂